Eric PrillerWie ist das Konzept für das Bioenergiezentrum Hochfranken entstanden?
Eric Priller:Zu Beginn gab es die Bestrebungen der Firma SÜDLEDER, ihre eigenen biologischen Ressourcen für eine intelligente Energiegewinnung nutzbar zu machen. SÜDLEDER und REHAU Energy Solutions haben dann gemeinsam ein innovatives Verfahren für die Vergärung der Gerbereinebenprodukte entwickelt: das TanERGY®-Verfahren. Diese Anlage ist heute in Betrieb. Darüber hinaus haben REHAU und SÜDLEDER eigene Industriekraftwerke für die Erzeugung von Strom und Wärme errichtet. Diese sind durch eine Mikrogasleitung mit der Bioenergieanlage verbunden. Die weiteren Ausbaukomponenten, wie die ‚Bioabfallvergärung Hochfranken‘ und das Nahwärmenetz ‚Süd 1‘, durch welches Wohnungen der Wohnungsbaugenossenschaft sowie das Schulzentrum und Schwimmbäder angeschlossen werden, sind bereits in der Planungsphase und werden bis 2014 realisiert. Weitere Industriekraftwerke von benachbarten Firmen werden oder wurden geprüft.“

Welche Bedeutung hat die Bioabfallvergärung Hochfranken?
Eric Priller:Die Bioabfallvergärung ist eine weitere Entwicklung der REHAU Energy Solutions. Sie garantiert die hoch effektive Vergärung von biologischem Hausmüll. Das heißt: Die Anlage wird den Inhalt der Biotonne aus den lokalen Landkreisen hoch effektiv zu Biogas und Kompost umwandeln. Das Biogas wird über die bereits bestehende Struktur einer Mikrogasleitung sowie von Satelliten-Blockheizkraftwerken vollständig und zu jeder Jahreszeit zu 100 Prozent genutzt. Mit dem entwickelten WastERGY®-Verfahren („Waste to Energy“) werden die bisherigen Probleme, die beim Vergären der Biotonne entstehen, kompetent gelöst: Durch eine aufwendige Aufbereitung werden Störstoffe wie Plastik, Glas und Bleche von den biogenen Stoffen getrennt. Weitere Abtrennstufen ermöglichen eine Reinheit des Gärrestes von mehr als 99,5 Prozent, was die Weiterverarbeitung stark vereinfacht. Das mehrstufige Nass-Vergärungsverfahren mit patentierter Helixhydrolyse gestattet uns eine intensive Vergärung der abbaubaren Stoffe – und das komplett unabhängig von jahreszeitbedingten Temperaturschwankungen. Die Gasausbeute ist am Ende 25 bis 30 Prozent höher als bei bestehenden Verfahren.

Wie sieht es mit Umweltbelastungen aus?
Eric Priller:Die Technik ist absolut wettbewerbsfähig. Die Anlage wird so errichtet, dass Anlieferung und Verarbeitung geschlossen ablaufen. Das heißt: Die Anlage entspricht bezüglich Geruchs- und Hygienebelangen höchsten Ansprüchen. Das gilt übrigens für alle Anlagen des Bioenergiezentrums. Für die Bioabfallvergärung kann man sich das so vorstellen: Der LKW fährt in eine Schleuse, wird entladen, gesäubert und verlässt die Anlage wieder. Die Abluft wird abgesaugt und über einen Filter gereinigt. Das Biogas wird gereinigt, getrocknet und über die unterirdisch verlegte Gasleitung zu den Blockheizkraftwerken transportiert. Für rund 28.000 Tonnen angelieferten Biomüll pro Jahr werden etwa 8 LKW pro Tag die Anlage anfahren. Das durch die Anlage provozierte Verkehrsaufkommen ist für die Anwohner kaum spürbar.“

Zum Hintergrund der REHAU Energy Solutions GmbH:
Um sich aktiv auf dem Markt für regenerative Energien zu engagieren, gründete die Firma REHAU Mitte 2010 die REHAU Energy Solutions GmbH. Damit erschloss sich der Polymerspezialist den Markt für Biogasanlagen – vornehmlich für industrielle und kommunale Kunden. Konkret setzt sich die REHAU Energy Solutions mit der Planung und dem Bau von Biogasanlagen, Blockheizkraftwerken für eine energieeffiziente Kraft-Wärme-Kopplung, Nahwärmenetzen und auch mit der schlüsselfertigen Errichtung der Anlagen auseinander. Das Unternehmen engagiert sich seit Gründung mit gebündelter Kompetenz sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland, um die Energiewende aktiv umzusetzen. Dabei ist die REHAU Energy Solutions – und das ist durchaus ein Alleinstellungsmerkmal – auf die energetische Umsetzung von biogenen Abfällen aus Kommunen und Industrie spezialisiert.