Vierter und abschließender Schritt in eine neue Energie-Ära ist getan

Bioabfallvergärungsanlage

Seit der Endinbetriebnahme Ende März diesen Jahres werden in der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken jährlich bis zu 30.000 Tonnen kommunaler und gewerblicher Bioabfall verarbeitet.

Rehau ist eine der industriestärksten Städte Bayerns. In punkto Energieversorgung und Klimaschutz leistet die Kleinstadt Großes: Gemeinsam mit lokalen Unternehmen wurde hier das erste kommunale Bioenergiezentrum Deutschlands auf den Weg gebracht. Das leistungsfähige Verbundprojekt „Bioenergiezentrum Hochfranken“, das aus insgesamt vier Anlagen besteht, produziert jährlich rund 76.000 Megawattstunden Strom und Wärme. Damit können über 40 % des Strombedarfs von Privathaushalten und Industrie in Rehau abgedeckt werden. Als vierter, entscheidender Baustein des Leuchtturmprojektes ist jetzt die groß dimensionierte Bioabfallvergärungsanlage, betrieben von der rsb Bioverwertung Hochfranken GmbH, vor den Toren Rehaus erfolgreich in Betrieb gegangen. Die Anlage wandelt jährlich bis zu 30.000 Tonnen kommunalen und gewerblichen Bioabfalls zu Biogas und hochwertigem Wirtschaftsdünger um. Die Anlage wird jetzt im Beisein von Ulrike Scharf, Bayerischer Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, eingeweiht.

Anlieferung des Bioabfalls

Der Abfall aus Biotonnen wird in einer großen, geschlossenen Halle angeliefert und aufbereitet.

Rehau. – Seit 1. Januar 2015 fordert das Kreislaufwirtschaftsgesetz, Bioabfälle nicht nur separat zu sammeln, sondern auch bestmöglich zu verwerten. Mit der neuen Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken wird diese Vorgabe im oberfränkischen Rehau vorbildlich erfüllt: Der Inhalt der Biotonne des Abfallzweckverbands Stadt und Landkreis Hof sowie des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge (KUFi) wird nach kurzem Transportweg zu Biogas und hochwertigem Wirtschaftsdünger für die Landwirtschaft umgewandelt. Das in der Region vorhandene Potenzial an organischen Haushaltsabfällen wird somit energetisch optimal genutzt. „Die Gasausbeute bei dieser Anlage ist am Ende 25 bis 30 Prozent höher als bei bestehenden Verfahren“, betont Eric Priller, Geschäftsführer der REHAU Energy Solutions GmbH. Das Tochterunternehmen von Polymerspezialist REHAU wurde im Mai 2014 mit der Errichtung der Anlage beauftragt. Die Kosten für den Anlagenbau belaufen sich auf rund 9,9 Millionen Euro, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit förderte mit knapp 2 Millionen Euro.

Die Aufbereitung des Abfalls findet in der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken in einer geschlossenen, zwölf Meter hohen Halle mit groß dimensionierten Biofiltern und einer Abluftreinigung statt. Der imposant anmutende Bau erlaubt es, dass maximal zwei LKWs gleichzeitig den Inhalt der Biotonnen anliefern können. Im Anschluss wird sortiert. Durch die aufwändige Aufbereitung werden Störstoffe wie Glas, Metall und Kunststoffe herausgefiltert. Nach weiteren Abtrennstufen und der Aufbereitung besitzt der Gärrest am Ende eine Reinheit von 99,9 Prozent und stellt einen hervorragenden und natürlichen Wirtschaftsdünger dar. Seit der Endinbetriebnahme Ende März diesen Jahres werden in der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken jährlich bis zu 30.000 Tonnen kommunaler und gewerblicher Bioabfall verarbeitet. Das produzierte Biogas treibt Gasmotoren an, die am Industriestandort jährlich rund 19.500 Megawattstunden Strom erzeugen. Die Energieeffizienz von Biogasanlagen ist nur dann optimal genutzt, wenn auch die produzierte Abwärme Abnehmer findet. Auch hier ist das Versorgungskonzept in Rehau vorbildlich: Im Herbst 2016 sollen das Schulzentrum sowie die Schwimmbäder am Ort angeschlossen werden.

Mit der Bioabfallvergärungsanlage sowie den drei bereits bestehenden Anlagen des Bioenergiezentrums – einer Bioenergieanlage zur Vergärung industrieller Nebenprodukte, einer Biogasanlage sowie einem Industriekraftwerk – deckt die 10.000-Einwohner-Stadt Rehau mehr als 40 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Quellen: Produziert werden dann rund 32.300 Megawattstunden Strom und 43.900 Megawattstunden Wärme – hauptsächlich aus Bioenergie und zu 75 Prozent aus Reststoffen. Den Plänen der Bundesregierung, eine 35-prozentige Ökostromdeckung bis zum Jahr 2020 zu erreichen, ist man im oberfränkischen Rehau demnach weit voraus.

Die Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken wird in diesen Tagen feierlich eingeweiht. Dazu hat sich neben Vertretern aus Politik und Ämtern sowie am Bau beteiligten Firmen auch die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf ngekündigt.

Für die Realisierung der Bioabfallvergärung Hochfranken wurde von den ortsansässigen Unternehmen REHAU AG + Co., SÜDLEDER GmbH & Co KG, Willy Böhme GmbH & Co. KG die rsb Bioverwertung Hochfranken GmbH gegründet. Diese beauftragte im Mai 2014 die REHAU Energy Solutions GmbH mit der Planung und Errichtung der Bioabfallvergärung.

Weitere Informationen unter www.bez-hochfranken.de und www.wastergy.de

Funktionsprinzip der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken nach dem WastERGY-Verfahren.