Am außerordentlichen Industriestandort Rehau ist ein weiteres wichtiges Etappenziel für den komplexen Versorgungsverbund „Bioenergiezentrum Hochfranken“ erreicht: Eine Bioenergieanlage zur Vergärung industrieller Nebenprodukte, eine Biogasanlage sowie ein Industriekraftwerk liefern bereits Wärme und Strom an ortsansässige Unternehmen. Im Dezember hat die groß dimensionierte Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken (BVA), betrieben von der rsb Bioverwertung Hochfranken GmbH, als vierter Baustein den Betrieb aufgenommen, die Energieerzeugung hat begonnen. Die Anlage wird ab Ende Februar in Volllast laufen, die Endinbetriebnahme ist für April vorgesehen. In den kommenden Wochen wird die Biomüllannahme auf 450 Tonnen Input pro Woche hochgefahren.

Rehau, 3. Februar 2015. – Stichtag war der 1. Januar 2015. Seither fordert das Kreislaufwirtschaftsgesetz, Bioabfälle nicht nur separat zu sammeln, sondern auch bestmöglich zu verwerten. Mit der neuen Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken wird diese Vorgabe im oberfränkischen Rehau vorbildlich erfüllt: Der Inhalt der Biotonne des Abfallzweckverbands Stadt und Landkreis Hof sowie des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge (KUFi) wird nach kurzem Transportweg zu Biogas und hochwertigem Wirtschaftsdünger für die Landwirtschaft umgewandelt. Das in der Region vorhandene Potenzial an organischen Haushaltsabfällen wird somit energetisch optimal genutzt. „Die Gasausbeute bei dieser Anlage ist am Ende 25 bis 30 Prozent höher als bei bestehenden Verfahren“, betont Eric Priller, Geschäftsführer der REHAU Energy Solutions GmbH. Das Tochterunternehmen von Polymerspezialist REHAU wurde im Mai 2014 mit der Errichtung der Anlage beauftragt. Die Kosten für den Anlagenbau belaufen sich auf rund 9,9 Millionen Euro, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit fördert mit knapp 2 Millionen Euro.

Slider_BVA_Anlieferung Biomuell_940x400Die Aufbereitung des Abfalls findet in der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken in einer geschlossenen, zwölf Meter hohen Halle mit groß dimensionierten Biofiltern und einer Abluftreinigung statt. Der imposant anmutende Bau erlaubt es, dass maximal zwei LKWs gleichzeitig den Inhalt der Biotonnen anliefern können. Im Anschluss wird sortiert. Eric Priller unterstreicht: „Durch die aufwändige Aufbereitung werden Störstoffe wie Glas, Metall und Kunststoffe herausgefiltert. Nach weiteren Abtrennstufen und der Aufbereitung besitzt der Gärrest am Ende eine Reinheit von 99,9 Prozent und stellt einen hervorragenden und natürlichen Wirtschaftsdünger dar.“ Derzeit wird an der Biologie gearbeitet, um den Vergärungsprozess im 7.000 m³ fassenden Fermenter zu optimieren. Bei Volllastbetrieb werden in der Bioabfallvergärungsanlage Hochfranken jährlich bis zu 30.000 Tonnen kommunaler und gewerblicher Bioabfall verarbeitet. Das produzierte Biogas treibt Gasmotoren an, die am Industriestandort jährlich rund 19.500 Megawattstunden Strom erzeugen. Die Energieeffizienz von Biogasanlagen ist nur dann optimal genutzt, wenn auch die produzierte Abwärme Abnehmer findet. Auch hier ist das Versorgungskonzept in Rehau vorbildlich: Von der für 2015 geplanten Anbindung des lokalen Schulzentrums profitieren auch die Schwimmbäder am Ort.

In Kürze deckt die 10.000-Einwohner-Stadt Rehau mit den vier Anlagen des Bioenergiezentrums mehr als 40 Prozent des Strom- und Wärmebedarfs aus regenerativen Quellen: Produziert werden dann rund 32.300 Megawattstunden Strom und 43.900 Megawattstunden Wärme – hauptsächlich aus Bioenergie und zu 75 Prozent aus Reststoffen. Den Plänen der Bundesregierung, eine 35-prozentige Ökostromdeckung bis zum Jahr 2020 zu erreichen, ist man im ober-fränkischen Rehau demnach weit voraus.